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Leitperspektive Medienbildung – Anspruch und Wirklichkeit

16/04/2015 @ 10:00 - 13:00

RH-LMZWie sehen die kommenden Bildungspläne 2016 aus? Werden Sie den Ansprüchen an eine umfassende Medienbildung gerecht? Wie kann die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte weiterentwickelt werden und wie sieht eine sinnvolle und zeitgemäße technische Ausstattung und Betreuung der Schulen aus? Diesen Fragen gingen die Referenten beim Tag der offenen Tür des Stadtmedienzentrums Stuttgart (SMZ) am 16. April nach. Anlässlich der jüngst abgeschlossenen Renovierungsmaßnahmen luden der Leiter Johannes Gienger und sein Team Experten aus Politik, Wissenschaft und pädagogischer Praxis zum fachlichen Austausch ein.

BYOD und schulische IT-Infrastruktur ergänzen sich

Richard Heinen vom Learning Lab an der Uni Essen-Duisburg betreut das Projekt School IT Rhein Waal, das vier Schulen in der deutsch-niederländischen Grenzregion am Niederrhein zu „Medienschulen“ entwickelt. Dabei wird insbesondere der Bring-Your-Own-Device-Ansatz (BYOD) verfolgt, bei dem die private Hardware der Jugendlichen, also Laptops, Tablets und Smartphones, in den Unterricht integriert wird. Zudem setzt man im Projekt darauf, Schülerinnen und Schüler zu schulischen IT-Experten zur Unterstützung von Lehrkräften und Mitschülern auszubilden und man kooperiert mit lokalen IT-Unternehmen. MediaCulture-Online hat im vergangenen Jahr ausführlich über das Projekt berichtet.

Die Arbeitsgruppe Schule am Learning Lab befasst sich mit der Frage, wie die begrenzten Ressourcen, die für schulische Infrastruktur zur Verfügung stehen, möglichst sinnvoll eingesetzt werden können. Denn die technische Ausstattung alleine habe kaum einen positiven Effekt, so Heinen. Er kritisierte etwa die massenhafte Anschaffung von Interaktiven Whiteboards, die nur zur „Zementierung des Frontalunterrichts“ führten und für die Entwicklung einer modernen Lernkultur eher hinderlich seien. Wenn man sich „digitalen Unterricht“ so vorstelle, dass die Schülerinnen und Schüler alle in Einzelarbeit vor den Bildschirmen sitzen, dann könne man es den Kritikern nicht verübeln, wenn sie gegen die „Zwangsdigitalisierung“ oder „Computerisierung des Unterrichts“ Sturm liefen. Man brauche vielfältige Lernumgebungen, in denen Kinder und Jugendliche lernen, kreativ und selbstbestimmt mit Medien umzugehen und sie sinnvoll in den einzelnen Fächern einzusetzen.

Technik allein ist wenig hilfreich

Interessant war Heinens Blick über die Grenze: An einer der niederländischen Schulen im Projekt kämen auf 900 Schülerinnen und Schüler nicht nur 300 Rechner, sondern auch zwei in Vollzeit angestellte IT-Leute, die stets vor Ort sind und sowohl die Geräte warten als auch bei Projekten helfen. Hierzulande wird die Wartung der IT-Infrastruktur häufig von Lehrkräften nebenbei erledigt oder man ist auf externe Dienstleister angewiesen.

Doch neben der technischen Infrastruktur und deren Betreuung gehöre zu einer optimalen medialen Lernumgebung auch der Content, also für die Bildung geeignete Inhalte. Dabei komme es eine angemessene Mischung aus „klassischem“ Content in Form von Büchern und digitalen Ressourcen an. Bei Letzteren komme dem Thema Open Educational Ressources (OER) eine wachsende Bedeutung zu. Bei OER handelt es sich um Bildungsinhalte, die zu Lehr- und Lernzwecken ohne urheberrechtliche Bedenken wiederverwendet, überarbeitet, neu zusammengestellt, wiederveröffentlicht und langfristig behalten werden dürfen (englisch: reuse, revise, remix, redistribute, retain, 5-R). Das Stichwort OER führe bei Verlagen aufgrund wirtschaftlicher Befürchtungen schnell zu einem Schwarz-Weiß-Denken, hier gelte es Organisationsformen zu finden, dass diese „5 Rs“ garantiert werden.

Heinen sprach zudem ein Problem an, das sich vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen an Schulen stellt, die sich mit dem BYOD-Ansatz beschäftigen: Sie trauen sich oftmals nicht, mit anderen darüber zu sprechen. Aufgrund von Handyverboten und datenschutzrechtlichen Problemen behielten viele Lehrerinnen und Lehrer ihre Unterrichtsideen lieber für sich, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Hier sei mehr Kommunikation und Vernetzung nötig. Man müsse Initiativen auf der Praxisebene „wachsen lassen und dann Strukturen schaffen“, die deren Ideen in geordnete Bahnen leiten und für die breite Masse der Schulen nutzbar machen.


Veranstaltungsort

LMZ / SMZ Stuttgart
Rotenbergstraße 111
Stuttgart , 70190
+ Google Karte
Website:
http://www.lmz-bw.de/landesmedienzentrum.html
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